Résumé
Außerhalb eines engen Kreises von Spezialisten erinnert man sich heute an Georg Friedrich Kauffmann (1679–1735) im Allgemeinen nur wegen seiner Kandidatur bei der Bewerbung um die Stelle des Kantors an St. Thomas in Leipzig 1722–23 – eine Episode von beträchtlicher Bedeutung für die Musikgeschichte, wenngleich für ihn persönlich unglücklich. Nachdem Kauffmann die Gelegenheit erhalten hatte, eine seiner Vokalkompositionen vorzustellen, gelangte er in die Endauswahl; doch im April 1723 fiel die Entscheidung schließlich zugunsten Johann Sebastian Bachs.
Dieser Artikel ist in zwei Teile gegliedert. Der erste bietet historischen Kontext mit einer Biographie Kauffmanns, einem Überblick über die Harmonische Seelenlust und ihre Ausgaben sowie einer Untersuchung der Merseburger Orgel. Der zweite Teil, der sich der Analyse widmet und das Vorwort, die Passaggio-Choräle sowie die Registrierungen im Verhältnis zu Bachs Praxis behandelt, wird in einem der kommenden Nummern von Singende Kirche erscheinen.